Der große König

Drehbeginn unter der Regie von Veit Harlan war am 24. September 1940.[1] Nach dem deutschen Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde die Darstellung des russischen Militärs überarbeitet und ins Nachteilige gewendet. Bereits fertiggestellte Szenen, die den russischen Anteil am preußischen Sieg zum Inhalt hatten, wurden neu gedreht und negativ umgewertet. Mit Produktionskosten von 4.779.000 RM zählte „Der große König zu den bis dahin teuersten Filmen des NS-Regimes. Veit Harlan notiert in seinen Memoiren, er habe bei den Schlachtszenen über echte Soldaten und 5.000 Pferde verfügen können. Die Uraufführung des Films fand dann am 3. März 1942 im Berliner Ufa-Palast am Zoo statt. Er erhielt die Prädikate staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll, kulturell wertvoll, volkstümlich wertvoll, volksbildend sowie jugendwert. Der Film wurde nach Kriegsende von den Alliierten Militärbehörden zunächst verboten. In einer gekürzten Fassung wurde der Film von der FSK in der BRD wieder freigegeben.

Die Handlung spielt zwischen 1759 und 1763: In der Schlacht bei Kunersdorf flieht die preußische Armee vor der österreichischen Übermacht und wird vollständig zerschlagen. Preußens König, Friedrich II., genannt der Große, konnte den Österreichern zwar entkommen, ist aber angesichts der aussichtlosen Lage verzweifelt. Sein persönliches Umfeld rät zur Kapitulation, doch der Monarch entscheidet sich, allen Widrigkeiten und persönlichen Schicksalsschlägen zum Trotz, für den Kampf bis zum Sieg. Er ist davon besessen, mit diesem Krieg das Gesicht Europas maßgeblich zu verändern.

Parallel hierzu entspinnt sich zwischen dem Feldwebel Treskow, einem Regimentsführer, und der fleißigen Luise, die sich um die Verwundeten kümmert, ungeachtet des Schlachtengetümmels eine zarte Liebe, die in der Heirat mündet. Als es vor den Toren Torgaus zu der entscheidenden Schlacht mit der österreichischen Armee kommt, gibt der auf Beobachtungsposten stehende Treskow eigenmächtig das Signal für eine Kavallerieattacke und rettet den Preußen so den Sieg.

Vom erstaunten König wird der darüber tief erschütterte Feldwebel für sein befehlswidriges Verhalten jedoch bestraft. Er begehrt auf und verspielt so die vom König insgeheim bereits angeordnete Beförderung zum Leutnant. Das paradoxe Verhalten des Königs erklärt der Film aus der preußisch-deutschen Militärdoktrin, wonach Ungehorsam bestraft, besondere Tapferkeit und Umsicht aber belohnt werden müssen. Treskows Verhalten vereinigt beide Aspekte, die der König nun gleichberechtigt bedient, dabei aber einer zweifelhaft erscheinenden Logik folgt: „Drei Tage [ans Rad einer Kanone gefesselt] muss er haben, Disziplin muss sein. Aber ich will es belohnen, wenn meine Soldaten entschlossen und selbständig handeln.“

Der einstige Mustersoldat reagiert verbittert auf die Strafe und begeht wiederholt Disziplinlosigkeiten und zieht sogar in Erwägung, zu desertieren. Luise erinnert Treskow jedoch an seine Pflicht gegenüber den Kameraden, weshalb er schließlich mit seinem Regiment zur Belagerung von Schweidnitz zieht. Hier stirbt er in der siegreichen Schlacht den „ehrlichen“ Soldatentod im Angesicht des Königs, während Luise mit dem gemeinsamen Kind zurückbleibt. Aber auch Friedrich steht nun allein, weil im Krieg viele seiner Freunde und Verwandten ums Leben gekommen sind. Preußen jedoch ist gerettet - dank der Opferbereitschaft seiner Bewohner und ihres Herrschers.

Zeitgenössische Kommentare

Im Presseheft der „Tobis“ hieß es:

„Gegen die 'Weltmeinung. Das deutsche Volk steht heute im Kampf gegen einen Teil der Weltmeinung, die von geschickten ‚Meinungsmachern’ in Wort und Schrift, in Tat und Gesten, durch alle Mittel einer eingespielten Hetzpropaganda seit Jahrzehnten der Weltöffentlichkeit eingeimpft wurde, so dass Misstrauen, Furcht und Hass gegen Deutschland grundlos vorherrschten. Es gibt seltene Augenblicke in der Geschichte, da einer aufsteht und gegen das Vorurteil der Welt angeht, allein auf schwerem und hartem Weg, im tiefen Bewusstsein seines Rechtes.

Es ist der Weg des großen Friedrich, verkannt und verspottet, dann gefürchtet und gehasst von einer Welt, die sich nicht aus dem vermeintlichen Gleichgewicht ihrer alten politischen Ideen und Ziele werfen lassen wollte, bis die übermenschlichen Leistungen deutscher Soldaten und die unendliche Widerstandskraft eines einzigen Mannes eine neue Welt und eine andere Zeit wider ihren Willen erzwang, bis man begann, diese Macht zu erkennen und vor ihr Respekt zu bekommen. Man lernte achten, was man vorher beschimpft hatte. Und als die neue Zeit geboren war, als der mythisierende Schleier des historischen Abstands das harte und opfervolle Kriegsgeschehen umgab, mehrten sich die Stimmen, die mit Ehrfurcht von Sanssouci sprachen, denen ‚Potsdam’ nicht mehr lächerlich war und die sich einer unzeitgemäßen kleinlichen Kritik schämten. Man feierte einen Helden. Friedrich wurde auch für die Welt der ‚Große König“. Nicht viele ahnten und nur wenige wussten dabei, dass dieser Mann die Blüte seines eigenen Lebens geopfert hatte für die Frucht einer neuen Zeit, und keiner verstand den Sinn seiner Worte: ‚Sie gingen mit dem Kriege schwanger, und ich musste ihr Geburtshelfer sein.‘

Die unendlichen persönlichen Opfer, die Friedrich seiner Aufgabe brachte, die Leiden, unter denen er die Eiseskälte seiner Einsamkeit ertragen musste, um den oft sinnlos erscheinenden Kampf zu bestehen und sich gegen das polypenhafte, zähe und fast unverwundbare Untier ‚Weltmeinung’ schließlich doch durchzusetzen - all das führt uns im Einzelnen noch einmal der kommende Tobis-Film Der große König vor Augen, der den Weg des Königs im Siebenjährigen Krieg begleitet. Man wird diesen Film erst dann ganz verstehen können, wenn man sich bewusst ist, was der Kampf gegen die Weltmeinung bedeutet. Früher konnten ihn nur Einzelne wagen, das Genie oder der Dämon, heute dürfen wir es erleben und daran mitschaffen helfen, dass ein einziges Volk bis ins Letzte bewusst diese Auseinandersetzung besteht.“

Der „Film-Kurier“ schrieb:

„Der große König, den Veit Harlan als Regisseur für die Tobis mit Otto Gebühr in der Titelrolle gestaltet, könnte ebenso gut ‚Der einsame König“ heißen. Denn Veit Harlan hat den preußischen König zwischen Kunersdorf und Schweidnitz als den großen einsamen Mann gezeichnet, der nicht nur hart sein muss gegen sich, sondern auch gegen die, die er liebt und schätzt ... In den verschiedenen Begegnungen zwischen Friedrich dem Großen und Luise (Kristina Söderbaum), die ein schweres Geschick durch den Siebenjährigen Krieg und damit auch durch den König erleidet, wird die Einsamkeit des Königs anschaulich gemacht.“

Und die „Filmwoche“:

„Durch Nacht zum Licht, durch Katastrophe zum Sieg führt dieser Film, der den zukunftsschweren Kampf des großen Friedrich in der zweiten Hälfte des Siebenjährigen Krieges schildert. Von der Niederlage bei Kunersdorf, dem Sieg von Torgau und dem Einzug in Berlin schwingt sich die Schicksalskurve eines gewaltigen Ringens, in dem ein genialer König und Feldherr sich als heldischer Mensch bewährt ... In überzeugender Schlichtheit zeichnet Otto Gebühr den königlichen Menschen, der in einsamer Größe den Weg der Notwendigkeit geht, aber bei aller Pflichtstrenge niemals sein Herz verleugnet. Das große Schicksal spiegelt sich in dem kleinen der tapferen Müllerstochter (Kristina Söderbaum) und ihres wackeren Feldwebels (Gustav Fröhlich).“

Kurt Kränzlein kommentierte in der Zeitschrift „Der Angriff“:

„Der Film Veit Harlans nimmt den Weg von der Anekdote zur Realität, vom Heroisieren zum Menschen, vom Jubel der Massen zur Einsamkeit des Einzigen ... Friedrich der Große ... hätte nicht jene ständige und immer vorhandene Wirkung auf die späteren Zeiten gehabt, wenn er nicht derjenige wäre, von dem Dr. Goebbels vor zehn Jahren in einer Rede gesagt hat: „Friedrich der Große war der erste Nationalsozialist.“

Ilse Urbach schrieb in „Das Reich“:

„Indem Harlan sich selbst und dem Publikum zur Aufgabe machte, den König so zu sehen, wie er gewesen sein muss, entsagte er einer gängigen Bilderbuch-Historie und eroberte für die Leinwand den Menschen Friedrich ... Die Szenen auf den Schlachtfeldern von Kunersdorf und Torgau erinnern an zeitgenössische Kupfer des 18. Jahrhunderts: die geradlinige Aufstellung der preußischen Grenadiere mit dem Fahnenträger und den Berittenen sind geschickt in das ebene Gelände mit spärlichen Kiefernwäldern gebaut ... in Menzel-Manier hebt sich der Feldherrnhügel ab, wie Schneefetzen steigen schlohweiß die Rauchwolken der Geschütze auf.“

Regisseur Veit Harlan schließlich kommentierte sein Werk 1966 rückblickend so:

„Für den Film Der große König wurde mir alles zur Verfügung gestellt, was ich für notwendig hielt. Ich bekam fünftausend Pferde, als ich sie brauchte, und ich durfte mit echten Soldaten Schlachten jeden Ausmaßes drehen. Auf Geld kam es nicht an. Der General Daluege stellte mir nahezu die gesamte Berliner Polizei zur Verfügung. Ich hatte als Musik für diesen Film für die preußischen Truppen das Thema des „Hohenfriedberger Marsches“ ausgewählt und für die österreichischen ... das berühmte Lied „Prinz Eugen, der edle Ritter“. Die Österreicher hatten weiße Uniformen, die Preußen dunkle. Auf diese Weise bekam ich in die sonst stets verwirrenden Schlachten eine ganz bestimmte Präzision. Bereits an der Musik konnte das Publikum feststellen, wer der Angreifende war. Die preußischen Truppen griffen zudem stets von links nach rechts, die österreichischen stets von rechts nach links an.“

Einordnung

Rolf Giesen und Manfred Hobsch machen in diesem Monumentalfilm deutliche Parallelen zum „Schicksalskampf des deutschen Volkes“ im Zweiten Weltkrieg aus: „Zum Russlandfeldzug 1942 garnierte Goebbels seine Durchhalteparolen mit denen des großen Königs. Als der Film herauskommt, sind Russland und die USA in den Krieg eingetreten; die bis dahin unbesiegbaren Truppen Hitlers hatten ihre ersten Niederlagen in Afrika und Osteuropa. ‚Der Film wird hier zum politischen Erziehungsmittel erster Klasse. Wir können das heute gebrauchen. Wir leben in einer Zeit, in der wir friderizianischen Geist nötig haben. Nur mit letzter Anspannung werden wir der Schwierigkeiten Herr werden, vor denen wir stehen. Überwinden wir sie, so werden sie zweifellos die nationale Widerstandskraft befestigen‘, schreibt Goebbels in seinem ‚Tagebuch‘.“

Die größte Schwierigkeit bei der Abnahme des Films bereitete ihm die historische Bewertung der russischen Unterstützung vor der Schlacht bei Schweidnitz, die wesentlich zum erfolgreichen Abschluss des Siebenjährigen Krieges beigetragen hatte. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion bedurfte es hier aus seiner Sicht erheblicher Korrekturen. Um Friedrich den Großen als durch und durch deutschen Monarchen darzustellen, mussten auf Goebbels’ Anordnung zudem sämtliche französischen Redewendungen auf Deutsch nachsynchronisiert werden.

Unter der Regie Harlans wurden die Parallelen zwischen dem „großen König“ und dem „Führer“ deutlich herausgestellt. Zugleich würden, so Giesen und Hobsch, Soldaten und Zivilisten in Anlehnung an Adorno nach dem dramaturgischen Prinzip der NS-Ästhetik „von der Totalstruktur umklammert, welche die einzelnen Subjekte erst zu bloßen Monumenten reduziert, um sie dann, als Ohnmächtige und Abgetrennte, zum Kollektiv zu vereinen“. Friedrich hingegen erscheint als der Einsame inmitten seiner kleingläubigen Umgebung, dem letztlich aber seine prophetische Sicherheit, seine Entschlossenheit, die Treue des Volkes und unerbittlicher Einsatz den Sieg einbringen.

„Die im Film dominanten Normen Opferbereitschaft, unbedingter Gehorsam, Pflichterfüllung und Disziplin setzen Selbstverleugnung voraus, die der König vorlebt und von anderen fordert. Diese Selbstverleugnung ist für ihn die Voraussetzung, dass der Staat bestehen und sich behaupten kann. Alle politischen Handlungen richten sich nach den Normen der Staatsraison. Dennoch versuchte das Propagandaministerium, jeden Vergleich zwischen Hitler und dem Preußenkönig zu vermeiden. Insbesondere sollte bei Pressebesprechungen nicht etwa ‚die pessimistische Note, die zu Beginn des Films vielfach die Texte beherrscht und die keinesfalls mit der Haltung des deutschen Volks im jetzigen Kriege zu identifizieren ist, herausgestellt werden‘.“ Der Sicherheitsdienst der SS berichtete in seinen „Meldungen aus dem Reich“, die Zuschauer hätten in dem Film „weitgehend ein Spiegelbild unserer Zeit gesehen“.

„‚Der Große König‘, ein Film über Friedrich II. von Preußen, thematisiert den Siebenjährigen Krieg. Kurz vor der endgültigen Niederlage Preußens gegen Österreich und seine Verbündete, wechselt Russland die Seiten, und Preußen ist gerettet. Der Film schildert eine dramatische Auseinandersetzung zwischen Friedrich und seinen Generälen, die kapitulieren wollen. Doch Friedrich weigert sich aufzugeben, er wartet auf und erhofft das Wunder, das auch geschieht. Der neue russische Zar beendet den Krieg. Friedrichs unsinniger Durchhaltewillen wird also von der Geschichte, und um ein oftmals von den Nationalsozialisten bemühtes Wort zu gebrauchen, vom ‚Schicksal‘ im Nachhinein sanktioniert.“[2]

Fußnoten

[1] Die Darstellung folgt Giesen/Hobsch, Hitlerjunge, S. 384ff. und https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_K%C3%B6nig (eingesehen am 26.3.2016)

[2] http://www.filmzentrale.com/rezis/judsuessdcl.htm (eingesehen am 29.3.2016)

zuletzt bearbeitet am: 29.03.2016

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