Militarismus: „Das waren schreckliche und deprimierende Momente.“
Nicht erst die alltägliche Indoktrination der NS-Zeit hat weitreichende Auswirkungen auf Günthers Denken und Handeln, sondern seine politische Sozialisation setzt - wenn auch eher unbewusst ablaufend - bereits früh in seiner Kindheit ein. Das hängt naturgemäß nicht zuletzt mit der frühen NS-Orientierung des Vaters zusammen, die etwa in entsprechendem Wahlverhalten von Vater und Mutter bereits vor 1933 zum Ausdruck kommen.
Insbesondere ist es aber der während der gesamten Zeit der Weimarer Republik latent vorhandene Militarismus und die damit verknüpfte Glorifizierung des Soldatentums, die nicht nur gesamtgesellschaftliche, sondern auch Auswirkungen auf den kleinen Günther haben. Ein Album mit Zigarettenbildern über den Krieg 1870/71 gehört in seiner Kindheit zu seinen liebsten Bilderbüchern, gleichzeitig gehören Heldengeschichten des Ersten Weltkrieges zur alltäglichen Lebenswelt junger Menschen.
Nicht nur von den Lehrern der Volksschule werden diese Geschichten erzählt, sondern die Kinder brüsten sich auch untereinander mit persönlichen Kriegsgeschichten der eigenen Väter. Für Günther ist das nicht schön, und er erlebt diese Situationen stets als „schreckliche und deprimierende Momente“, denn Vater Toni war ja kein Kriegsteilnehmer, weshalb sich sein Sohn nicht mit entsprechenden Geschichten interessant machen kann.
Die NS-Machtübernahme am 30. Januar 1933 nimmt der damals Achtjährige daher bereits als ein besonderes Ereignis wahr und die in der Bevölkerung vorherrschende „Aufbruchsstimmung“ ist für den jungen Günther schon damals deutlich spürbar.