Hitler-Besuch: „Ich konnte vor Aufregung noch nicht einmal 'Heil' schreien.“
Das kommt besonders deutlich im Frühjahr 1936 zum Ausdruck. Als am 7. März 1936 das Rheinland vertragswidrig von deutschen Truppen besetzt wird, fährt die gesamte Familie Roos nach Köln, um dem Einmarsch der Wehrmacht mit den anderen begeisterten Zuschauern am Kölner Dom zuzujubeln. Gerade dieses Ereignis fördert bei Günther die Begeisterung für das Soldatentum, und er erlebt es in dem Bewusstsein, einem historischen Moment beizuwohnen.
Einen nicht nur für ihn noch weitaus bedeutenderen Moment erlebt der Elfjährige drei Wochen später, als am 28. März 1936 Hitler Köln besucht. Wieder eilt Günther mit Mutter und Bruder Gustav in die nahegelegene Großstadt und erinnert sich an dieses Ereignis rückblickend als eine Art „Massenhypnose“. Als kleiner, auffällig blonder Pimpf in Uniform darf sich Günther vor der Straßenabsperrung der SA aufstellen und hat so einen besonders guten Blick. Die Vorbeifahrt Hitlers im schwarzen Mercedes stilisiert er als nahezu metaphysisches Ereignis und er ist sich – im Übrigen genauso wie sein Bruder - sicher, dass Hitler ausgerechnet ihm direkt in die Augen geschaut habe. „Ich konnte vor Aufregung noch nicht einmal 'Heil' schreien, so hat mich der Schein von Hitler bewegt.“
Als die Familie abends in der Brühler Wohnung zusammensitzt, resümieren die beiden Brüder die durchlebten Ereignisse mit den Worten: „So etwa muss es vor 2000 Jahren gewesen sein, als Christus um die Welt ging und gesagt hat: 'Verlasst Heim und Hof und folgt mir!'“. Und die ebenfalls tief bewegte Mutter Elisabeth notiert in Günthers kleines Tagebuch, das er zum Jahresbeginn zu führen begonnen hat: „Heute habe ich meinen Führer gesehen!“