Eintritt ins Jungvolk: „Die ersten Jahre war das Jungvolk so eine Art Pfadfinder.“
Der „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 wird zu einem in mehrerlei Hinsicht prägenden Erlebnis in Günthers jungem Leben. Ohne das Wissen seiner Eltern nimmt er mit einem Spielkameraden – dem in der Nachbarschaft wohnenden Sohn des Brühler NSDAP-Ortsgruppenleiters - am abendlichen Festzug teil, bei dem er aufgeregt und voller Stolz mit der SA und einer Fackel in den Händen durch Brühl marschiert. Nicht nur das. Ohne den Inhalt wirklich zu begreifen, brüllt auch der Achtjährige voller Inbrunst: „Juda verrecke“ und „Soldaten, Kameraden, hängt die Juden, stellt den Thälmann an die Wand“. Anschließend nimmt Günther, obwohl er noch längst nicht das erforderliche Eintrittsalter von zehn Jahren erreicht hat, fortan als inoffizielles Mitglied an den Heimnachmittagen und anderen Unternehmungen des Brühler Jungvolks teil.
Die Euphorie der neuen Bewegung reißt Günther zunächst vollkommen mit und er nimmt mit großem Enthusiasmus an Aktionen des Jungvolks teil. Dazu zählen insbesondere auch die Heimabende, an denen auch deutlich antisemitische Lieder gesungen werden.
Die Begeisterung weicht aber recht bald dem eher tristen Alltag im Brühler Jungvolk, der auch hier aus Heimabenden, Sport, Exerzieren und Marschieren, der Ausbildung im Gelände und zahlreichen Sammelaktionen besteht. Die Interessen des damals Zehnjährigen, der gerne turnt und noch lieber liest und mit seinem engsten Freund Kurt spielt, verlagern sich stetig weg vom Jungvolk. Immer häufiger drückt sich Günther vor dem „Dienst“ und stellt rückblickend durchaus überrascht fest, dass trotz dieser Versäumnisse nie Druck auf ihn ausgeübt worden sei.
So gehen die Jahre ins Land, ohne dass Günther zum neuerlich begeisterten Jungvolk-Mitglied geworden wäre. Die „großen“ Ereignisse findet zwar auch er groß und zeigt sich vom NS-Regime begeistert, doch motiviert ihn das nicht zu einer aktiveren Teilhabe. Das ändert sich erst – und dann umso grundlegender – als nach seinem 14. Geburtstag sein Wechsel in die HJ bevorsteht. „Die Hitlerjugend hat mir nie gefallen, das waren Rabauken und dann habe ich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, dass ich wieder in das Jungvolk kam.“