Kriegsbeginn und Kriegseuphorie: „Es ist bald wie im Märchen. Deutschland wird siegen!“

Seit Beginn des Krieges am 1. September 1939 ist Günthers Denken vollkommen von ungebremster Kriegseuphorie und dem uneingeschränkten Glauben und Vertrauen in den - in seinen Augen nahezu gottähnlichen - „Führer“ geprägt: „Wir vertrauen voll dem Genie unseres Führers, der doch wieder einmal Weitblick und Entschlossenheit bewiesen hat.“ Immer neue „Sondermeldungen“ und die permanente propagandistische Kriegsberichterstattung werden unhinterfragt übernommen. Günther sieht in dieser Zeit lediglich ein Problem: „Das Ärgerliche daran war nur der Umstand, dass jetzt Europa und die Welt für die nächsten tausend Jahre neu geordnet wurde, und ich war zu jung um dabei mitzuwirken.“

 

Die anfänglich schnellen Erfolge der Wehrmacht beflügeln seine Begeisterung immer wieder aufs Neue und in seinem Denken gibt es nur einen denkbaren Ausgang des Krieges: „Es ist bald wie im Märchen. Deutschland wird siegen!“ Auch Vater Toni fördert Günthers Haltung durch sein ebenso uneingeschränktes Vertrauen in das NS-Regime.

Die ersten Bombenangriffe auf Brühl seit Februar 1941 und die damit verbundenen nächtlichen Fliegeralarme nimmt Günther zwar durchaus als „schrecklich“ wahr, doch sind sie ihm integrale Bestandteile des positiv gesehenen Kriegsgeschehens und führen daher nicht zu einer Abkühlung seiner Euphorie. Stattdessen beginnt er sich über jeden weiteren schnellen Sieg der Wehrmacht deshalb zu ärgern, weil er glaubt, dass ihm dadurch die Chance genommen werde „für Deutschland Heldenhaftes zu leisten.“ Er möchte so werden, wie die durch die NS-Propaganda inszenierten Kriegshelden, denen es für ihn wie für die weitaus meisten der Jugendlichen seiner Generation als großen Idolen nachzueifern gilt.

 

Eine erste – wenn zunächst auch nur kurze Pause – stellt in dieser Hinsicht der deutsche Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 dar, der auch für Günther einen Schock bedeutet. Schnell wird ihm klar: „Deutschland, du hast einen verdammt harten Kampf zu führen.“ Vor allem die Briefe seines an der Ostfront eingesetzten und zunehmend desillusionierten Bruders Gustav beunruhigen Günther, der sich zugleich große Sorgen um dessen Wohlergehen und Gesundheit macht. Dennoch empfindet er übermäßigen Stolz auf Gustav, als dem das „Eiserne Kreuz“ verliehen wird. Gerade ach den ersten Rückschlägen im Winter 1941/42 fiebert Günther mehr denn je und ebenso fanatisch wie selbstbewusst dem eigenen Einsatz als Soldat entgegen, um „die Sache irgendwie wieder gerade zu biegen, wo die anderen versagt haben.“