Aufstieg im Jungvolk: „Es begann eine immer stärkere Identifikation mit dem Nationalsozialismus.“
Immer mehr und immer neue Einberufungen reißen in der Hitlerjugend große Lücken in den Bestand an Führern. Hiervon profitiert Günther, der nur zwei Wochen, nachdem er zum „Hordenführer“ geworden war, am 19. Oktober zum Jungenschaftsführer befördert wird und somit nun die begehrte rot-weiße „Führerschnur“ tragen darf. Zu seinen Aufgaben zählen nun vor allem auch organisatorische Tätigkeiten wie die Anwesenheitskontrolle und die Einkassierung der Mitgliedsbeiträge der ihm unterstellten „Pimpfe“. Kennzeichnend für ihn ist in dieser frühen Phase seiner Jungvolkführerschaft eine Verschränkung seiner noch immer recht kindlich geprägten Lebenswelt mit den von ihm als „Führer“ geforderten „erwachsenen“ Verhaltensweisen. Das Spielen mit Fernlenkautos und Stabil-Baukästen bei gleichzeitigem Absolvieren von Führerschulungen, Kriegshilfsdiensten und beginnendem Alkoholgenuss mit „Kameraden“ erlebt Günther jedoch keineswegs als Widerspruch.
Mit voranschreitender „Karriere“ wächst Günthers Machthunger innerhalb eines von ihm in Gänze unterstützten politischen Systems und sein Ehrgeiz hinsichtlich eines weiteren Aufstiegs im Jungvolk. „Es begann damit meine immer stärkere Identifikation mit dem Nationalsozialismus und dem Gefühl Macht zu besitzen und diese auch gegenüber anderen ausüben zu können.“ Als Führer sieht er sich dabei selbst in einer Vorbildfunktion, was bei ihm sogar so weit geht, dass er sich darauf konzentriert, auch seine schulischen Leistungen zu verbessern.
Im Mai 1940 wird Günther erneut befördert. Er darf nun die grüne Führerschnur des „Jungzugführers“ tragen und hat die Befehlsgewalt über 40 bis 50 „Pimpfe“ inne.