Streifendienst: „Ich war, ohne es zu bemerken, ein Zuträger und Spitzel für die Gestapo geworden!“

Das gilt ganz besonders für eine weitere Tätigkeit, die er auf seinem „Weg zur Macht“ ohne nachweisbare Skrupel annimmt. Bereits zum Jahresende 1941 unternimmt er nämlich Bemühungen, sich neben seiner Jungvolkkarriere ein weiteres Standbein aufzubauen, indem er im November 1941 einer Berufung in den HJ-Streifendienst folgt. Das alles geschieht offenbar im engen Kontakt mit dem Brühler Streifendienstführer Hipp, der zugleich eine hohe Funktion im Sicherheitsdienst der SS bekleidet.

Fortan arbeitet Günther daher nicht nur im HJ-Streifendienst, sondern übernimmt neben seiner Tätigkeit als Fähnleinführer für Hipp die Funktion eines „V-Mannes“. Ohne anfänglich die hohe Funktion des stets in Zivil auftretenden SS-Mannes zu erkennen, wird Günther regelmäßig für ihn aktiv und betätigt sich dabei als Denunziant im Dienste der SS. Der „dienstliche“ Besuch des außerschulischen Religionsunterrichts von Pfarrer Robert Grosche stellt dabei den ersten Einsatz in dieser Richtung dar. Weil im Rahmen dieses Unterrichts der „Mythos des 20. Jahrhunderts“ des NS-Ideologen Alfred Rosenberg sehr kritisch gelesen wird, muss Günther Streifendienstführer Hipp regelmäßig über das Verhalten des Pfarrers und der Schüler Bericht erstatten. Außerdem besucht er in der Folgezeit zu Zwecken der Überwachung regelmäßig den Gottesdienst, um dem Sicherheitsdienst anschließend über den Inhalt der Predigten zu berichten.

Seine enge Zusammenarbeit mit Hipp und seine zahlreichen Einsätze führen schließlich dazu, dass Günther 1942 die machtvolle Position des Führers des Brühler HJ-Streifendienstes angeboten wird. Obwohl er anfänglich sicher ist, diese Stellung anzunehmen, weil sie ihm einen deutlichen Zuwachs von Einfluss und Macht verschaffen würde, zieht er im Juni 1942 dann doch die Ernennung zum Jungstammführer vor, was die Funktion als Leiter des Streifendienstes ausschließt. Vielleicht resultiert dieser Entschluss aus konkreten Erfahrungen mit Ausbildern der SS, die Günther in den Osterferien 1942 macht und auf die an anderer Stelle noch zurückzukommen ist.