„Reichsausbildungslager“ Germeter: „Wir wurden gnadenlos gedrillt und massiv weltanschaulich ausgerichtet, besonders antiklerikal.“

Wenige Tage nach seiner Rückkehr als Elsenborn wird Günther am 26. Februar 1942 in Köln für die Wehrmacht gemustert und für tauglich befunden – für ihn ein besonders wichtiges Ereignis. Er meldet sich umgehend zur „Nebeltruppe“ meldet, da ihm hier die Chance einer Offizierslaufbahn in Aussicht gestellt wird. Dieser Truppenteil ist damals recht geheimnisumwittert. Er setzt schwere „Werfer“ ein, soll letztlich aber nicht zuletzt auch der chemischen Kriegsführung dienen. Günthers Mutter ist ob der damit eventuell verbundenen Gefahren wenig glücklich mit der offenbar sehr eigenständigen Entscheidung ihres Sohnes.

Wiederum einige Tage später erhält Günther am 12. März seine Einberufung in das „Reichsausbildungslager“ Germeter, das ab dem 29. März - und damit zu seinem Leidwesen ausgerechnet in den Osterferien - stattfindet und ausschließlich von höheren, hierfür eigens ausgewählten Jungvolkführern besucht wird.

Günthers Tagesablauf ist hier durch sehr eng getaktete Dienstpläne bestimmt. Der extreme militärische Drill sowie die vollkommene Beschneidung seiner Individualität erlebt er zumeist als unerträglich. Neben militärischen Übungen steht in Germeter ganz besonders eine massive politisch-ideologische und extrem antikirchliche Schulung im Vordergrund, die ausschließlich von fronterfahrenen und hochdekorierten Angehörige der Waffen-SS durchgeführt wird. „Wir wurden gnadenlos gedrillt und massiv weltanschaulich ausgerichtet, besonders antiklerikal“, fasst Günther Roos die für ihn so ungewohnten wie harten Wochen im Lager rückblickend zusammen.

In Hinblick auf seine Aufstiegsambitionen arrangiert er sich jedoch mit den harten Bedingungen und dem rauen Umgangston im Lager. Ganz zielorientiert besteht er die Prüfung als „HJ-Geländesportwart“, wodurch er zukünftig berechtigt ist, Jungvolk- und HJ-Einheiten in dieser Hinsicht offiziell auszubilden. Nach drei Wochen endet am 17. April der Aufenthalt in Germeter und ein erleichterter, in einigen Punkten vielleicht auch etwas desillusionierter Günther kehrt nach Brühl zurück.