Macht: „Macht will ich haben! Alle sollen mich lieben oder fürchten.“

Günthers Denken und Handeln sind in der Lebensphase der Jahren 1940/42 in erster Linie durch ein ausgeprägtes Machtstreben bestimmt, das seinen weiteren Lebensweg bis zum Kriegsende stets mitbestimmen wird. Bereits die Ernennung zum „Hordenführer“ hat hierzu offenbar die erste Saat gelegt, die danach aufgeht und prächtig gedeiht. Den zunehmend ungebremsten Machtwillen bringt Günther zu dieser Zeit auch immer wieder in seinem Tagebuch zum Ausdruck, aus dem eine immer stärkere Identifikation mit dem Nationalsozialismus ablesbar ist. Im Zentrum seines Strebens steht der unbedingte Wille, Macht zu besitzen und diese gegenüber anderen auch ausüben zu können.

Solche ehrgeizigen Aufstiegsambitionen und das Streben nach Macht sind Charakterzüge, die im Rahmen des Jungvolks auf fruchtbaren Boden fallen und hier ausdrücklich gefördert werden. Als begeisterter Leser verschlingt Günther zudem einschlägige historische Romane, in denen vor allem das „Führertum“ glorifiziert wird und die in dieser Hinsicht einen großen Einfluss auf Günthers Denken und Handeln ausüben.

Am deutlichsten kommt Günthers Machtstreben in dem Augenblick zum Ausdruck, in dem er im Juni 1942 auch offizielle zum Jungstammführer berufen wird. Am Abend dieses Tages schreibt er in sein Tagebuch: „So, jetzt habe ich das, was ich haben will, nämlich die Macht. Macht will ich haben! Alle sollen mich lieben oder fürchten.“ Und zur Erreichung dieses Ziels schreckt Günther auch nicht vor skrupelloser Verdrängung seiner Konkurrenten und Denunziationen zurück: „Jeder der mich daran hindert, muss unauffällig verschwinden.“

 

In welche konkrete Position er letztlich aufsteigen, ist Günther zu diesem Zeitpunkt offenbar weitgehend gleichgültig. Als Ende April 1942 etwa die Position des Adjutanten des „Standortführers“ und die Ernennung zum Jungstammführer zur Debatte stehen, notiert er kurz: „Das ist egal. Ich muss nur Macht haben.“

Ambitionen, einen hochrangigen Posten in der Partei einzunehmen, hat er hingegen augenscheinlich keine. Zwar stellt es für Günther „eine Ehre“ dar, als er am 30. September 1942 in die NSDAP aufgenommen wird, aber den „Parteibonzen“ gegenüber ist er durchaus skeptisch eingestellt.