Reichsarbeitsdienst: „Da habe ich mich doch sehr wohl gefühlt.“
Am 8. Juni 1942 muss der gerade 18 Jahre alt gewordene Günther auf dem RAD-Meldeamt in Köln erscheinen, wo ihm mitgeteilt wird, dass seine Einberufung zum „Reichsarbeitsdienst“ auf den 1. Juli datiert ist und nach Kamperfehn im Emsland erfolgen wird.
Nachdem er am 3. Juli noch seinen Ausstand als Jungvolkführer gegeben hat, macht er sich am 8. Juli auf den Weg nach Kamperfehn. Anders als in Germeter nimmt er den straff geregelten Dienst nun klaglos hin und fügt sich ohne Schwierigkeiten in die hierarchische Ordnung ein: „Die Vorgesetzten sind prima. Streng aber gerecht. Wenn alles in Ordnung ist, sind sie die besten Kameraden.“
Bereits nach vier Tagen im RAD wird Günthers Stube jedoch aufgrund einer Scharlacherkrankung jedoch für vier Wochen unter Quarantäne gestellt. Er nutzt diese „gemütliche“ Zeit zum Lesen und Philosophieren. Danach erfüllt er die ihm auferlegten Arbeiten dann stets pflichtbewusst und empfindet hierbei sogar Freude und Genugtuung.
Die im Lager Germeter begonnene Ausformung seines NS-orientierten Weltbildes setzt Günther während seiner Zeit beim RAD konsequent fort. Hierbei findet er eine wesentliche Stütze in der Person des Unterfeldmeister Knobloch, der sich in der dreimonatigen RAD-Zeit zu einer Art Vaterfigur für Günther entwickelt und dem Achtzehnjährigen Orientierung und Sicherheit bietet, die sich ganz im Rahmen eines klaren und kompromisslosen NS-Weltbildes bewegen. Trotz der auch hier vorherrschenden massiv antiklerikalen Ausrichtung bleiben die Suche nach einem „persönlichen“ Gott und die Konstruktion des entsprechenden Gottesbilds für Günther während der gesamten Arbeitsdienst-Zeit von zentraler Bedeutung.
Insgesamt fühlt er sich in Kamperfehn sehr wohl und betrachtet die Lager- und Arbeitserfahrungen als gute Vorbereitung für den Militärdienst: „Ich fasse überhaupt den ganzen RAD als Vorschule auf. Die Grundausbildung, der Gewehrdienst, das Marschieren und der Baustellendienst, all das bereitet mich auf den Kommiss vor und stählt mich.“