Reserve-Offiziers-Bewerber (ROB): „Ein Gesang und eine Richtung und Haltung, die einfach toll ist.“

Zum Jahresbeginn 1943 verfestigt sich bei Günther die das dem Tod des Bruders erwogene Vorhaben, den Beruf des Architekten einer militärischen Karriere vorzuziehen. Trotz mehrfacher Angebote und Werbeversuchen seiner Vorgesetzten wird er bis zum Kriegsende nicht mehr von diesem Entschluss abweichen

 

Das geht jedoch keineswegs mit der Aufgabe von Günthers bisherigen Ambitionen oder gar einer Abkehr von der NS-Ideologie einher. Günther fühlt sich auch weiterhin wohl im Soldatenleben und die Leitwerte seines Denken und Handeln, denen er alles weitere unterordnet, sind weiterhin klar definiert: „Führer“ und „Deutschland“.

Obwohl er eine Laufbahn als Berufsoffizier nun kategorisch ausschließt, meldet er sich zum Jahresbeginn 1943 immerhin als „Reserve-Offiziers-Bewerber“ (ROB) und wird am 31. Januar nach Celle zum ROB-Lehrgang abkommandiert. Bis zum Abschluss des Lehrgangs am 31. Mai bestehen Günthers Tage hier aus dem zum Alltagstrott werdenden Unterricht, Exerzieren und Schießübungen. Obwohl er diesen „sturen Rekrutendienst“ anfänglich beklagt, weil ihm so der Fronteinsatz versperrt bleibt, ist er dennoch weiterhin von der Wehrmacht begeistert.

 

Auch die Vernichtung der 6. deutschen Armee vor Stalingrad Anfang Februar und die dadurch symbolisierte Wende im Kriegsverlauf tut seiner Begeisterung vom „Kommiss“ keinen Abbruch. Einerseits ist Günther schockiert von den Ereignissen: „Stalingrad war ein absoluter Schock. Dass diese Untermenschen die große deutsche Wehrmacht besiegen konnten, das hat man damals kaum für möglich gehalten.“ Andererseits gibt er sich nicht etwa verängstigt, sondern noch stärker motiviert, nun selbst für „Führer und Vaterland“ zu kämpfen. Aus den aktuellen Ereignissen schlussfolgert er, dass das Leben offenbar noch viel mit ihm vorhabe: „Es freut mich jetzt schon, daran zu denken, mithelfen zu können, den größten Feind des nationalsozialistischen Deutschlands zu zerschlagen. Deutschland, dir will ich dienen!“

Günther besteht den Lehrgang als ROB und tritt danach daraufhin stolz einen Heimaturlaub an.