Erste Verunsicherungen: „Frieden! Ich kann es mir kaum vorstellen, wie das ist.“
Am 21. Juni 1943 kehrt Günther aus seinem Heimaturlaub in Brühl in die Kaserne in Celle zurück. Seine Motivation, möglichst schnell selbst in den Krieg im Osten zu ziehen und seinen Beitrag zum Dienst zu leisten, ist zwar ungebrochen, doch schleichen sich zu dieser Zeit offenbar auch erste Verunsicherungen in sein Denken ein.
So gesteht er ein, dass die Lage an der Ostfront momentan „nicht rosig“ sei und macht in seinen Tagebucheinträgen Gebrauch von einem Wort, das zuvor in seinem Wortschatz nicht vorhanden zu sein schien: „Nach Frieden sieht es in keiner Weise aus. Frieden! Ich kann es mir kaum vorstellen, wie das ist, denn als der Krieg ausbrach, war ich gerade 15 Jahre alt, erwachte ich eben aus der Jugend. Es muss doch etwas Herrliches sein dieser Frieden!!“
Auch die Zerstörung westdeutscher Städte durch britische Bombenangriffe und hier insbesondere der schwere „Peter und Paul-Angriff“ auf Köln am 29. Juni erschüttern und empören Günther zutiefst. Zwar schwört er den Briten „schreckliche Rache“, doch als er das benachbarte Köln während eines weiteren Heimaturlaubs besucht, dominiert das Gefühl des Verlusts: „Der Anblick von Köln hat mich erschüttert. Schildern kann man das nicht. Es ist eine tote Stadt. Ein großes Trümmerfeld. All die herrlichen Bauten in Schutt.“
Immer neue Offensiven der Roten Armee an der Ostfront und der Regierungswechsel in Italien im Juli 1943 sorgen zusätzlich dafür, dass Günthers stets durchweg positiven Zukunftsvorstellungen langsam auch düsterere Farbe aufweisen.