Ardennenoffensive: „Wir alle fiebern vor Erwartung auf das Kommende.“
Der langersehnte Marschbefehl kommt schließlich Anfang Dezember 1944, als Günthers Einheit nach Preischeid an die luxemburgische Grenze verlegt wird, wo im Rahmen der „Ardennenoffensive“ große Truppenverbände zusammengezogen werden. Günther zeigt sich von der „unheimlichen Geschäftigkeit“ begeistert: „Truppen rollen und rollen. Irgendetwas Großes ist im Gange? Der herbeigehoffte Gegenschlag? Das Wunder? Wir alle fiebern vor Erwartung auf das Kommende.“
In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember geht seine Einheit schließlich in Gefechtsstellung bei Eisenbach. Günther ist vollkommen enthusiastisch und davon überzeugt, nun dem „Anfang vom Endsieg“ beizuwohnen. Doch bereits beim ersten von ihm geleiteten Vorstoß wird er durch einen amerikanischen Scharfschützen leicht am Rücken verletzt, kann jedoch bei der Truppe verbleiben.
Deren ist jedoch umgehend wieder beendet und die Einheit wird zurück nach Preischeid beordert, wo eine erneute Phase der Untätigkeit anbricht. Erst lange nach Kriegsende soll Günther Roos den Grund dieser erzwungenen und ungewollten Ruhe erfahren: Regimentskommandeur Oberst Krause ist bewusst, dass der Krieg verloren ist, weshalb er es als seine Aufgabe ansieht, sein Regiment aus den blutigen Kämpfen weitestgehend herauszuhalten. Das sieht Günther um die Jahreswende 1944/45 völlig anders und steigert sich aufgrund anfänglicher Meldungen über den deutschen Vormarsch in einen wahren „Siegesrausch“: „Wir schlossen Wetten ab, wann wir wieder in Paris einmarschieren würden.“
Die Zuversicht bleibt. Je deutlicher sich die deutsche Niederlage dann Anfang des Jahres 1945 abzeichnet, desto fanatischer ist und bleibt Günther vom „Endsieg“ überzeugt und feiert jeden noch so kleinen Erfolg als Kriegswende. Symptomatisch hierfür steht seine Beschreibung eines Angriffs, den die von ihm geführte Einheit Ende Januar 1945 auf eine amerikanische Stellung an der Our unternimmt, die dabei – kurzfristig - „weit hinter ihre Ausgangsstellung“ zurückgedrängt wird: „Wenn man solches Heldentum, und es war wirkliches Heldentum, miterleben konnte, dann kann man nur an den Sieg glauben. Solche Soldaten sind nicht klein zu zwingen, und der Sieg muss letzten Endes ihnen sein.“
Die, zur gleichen Zeit bei seinen Eltern vorherrschende „miese Stimmung“, die Vater Toni in Briefen zum Ausdruck bringt, kann Günther in keiner Weise nachvollziehen und kritisiert eine solche Einstellung scharf. Er selbst bleibt davon augenscheinlich unbeeindruckt: „Man muss schon fanatisch sein, wenn man nicht angesteckt werden will, und das bin ich ja Gott sei Dank.“