Kriegsende: „Und trotzdem: Jetzt erst recht! Es muss noch klappen!“
Am 18. Februar 1945 wird Günthers Einheit nach Meckenheim und damit in die Nachbarschaft von Brühl verlegt. Er fühlt sich nun „einfach blendend“ und fasst seine Stimmungslage zusammen: „Ich bin froh, gerade hier eingesetzt zu sein. Nun kann ich wahrhaft die Heimat verteidigen, und mein Teil dazu mittragen, dass der Amerikaner nicht zu uns nach Hause kommt.“
Die militärische Überlegenheit der alliierten Truppen ist jedoch derartig erdrückend, dass eine Gegenwehr nicht mehr möglich ist. Allein Günthers Einheit hat nach einem Gefecht bei Güsten 16 Tote zu beklagen. Nach und nach gelangt er daher zu einer realistischeren Einschätzung der Lage, und er muss sich eingestehen, dass die Wehrmacht „militärisch am Ende“ ist. Mit dem Gedanken der deutschen Niederlage kann er sich jedoch immer noch nicht abfinden: „Und so glaubten wir gern der Propaganda, die die Wende und den ‚Endsieg‘ versprach.“
Am 5. März wird Günthers Gruppe schließlich ins linksrheinische Köln beordert, um die Stadt gegen die anrückenden US-Truppen zu verteidigen. Die Stimmung in der „menschenleeren, gespenstischen Trümmerwelt“ beschreibt Günther Roos rückblickend als eine „Mischung aus Weltuntergangsstimmung und Karneval“. Nach der Plünderung eines Verpflegungslagers leistet besonders die entwendeten alkoholischen Getränke der kleinen und völlig chancenlosen Truppe gute Dienste: „So wurde reichlich Sekt verteilt, und als dann kurz vor 12 Uhr die Hohenzollernbrücke in die Luft flog, waren wir alle mehr oder weniger beschwipst und schrien 'Hurra!'“
Anschließend bezieht die Einheit Stellung im Riehler Schwimmbad und beschießt noch zwei anrückende amerikanische Panzer, bevor sie abends im Radio die Meldung vernimmt, dass „der Trümmerhaufen Köln nach heldenhaftem Widerstand dem Feinde überlassen“ wurde. Nachdem die restliche Munition sinnlos in den Stadtwald verschossen ist, setzen Günther und die ihm unterstellten Soldaten am nächsten Morgen mit einem selbstgebauten Floß auf die rechte Rheinseite über.
Seine Stimmung schwankt zu diesem Zeitpunkt zwischen ironischer Resignation und trotzigem Glauben an den vermeintlich immer noch realistischen Sieg. So schreibt er seinem Vater, es gehe ihm „nach wie vor blendend“. „Der Großteil der Privatklamotten auf dem Fahrzeug verbrannt, die Wohnung ausgebombt, am Heimatort der Feind.“ - „Und trotzdem: Jetzt erst recht! Es muss noch klappen!“
Unter solchen Bedingungen erscheint es kaum vorstellbar, dass Günther in einer solch vollkommen aussichtslosen Situation vom 18. bis 21. März noch einen „Unteroffizierslehrgang“ leitet und kurze Zeit später einen mit Munition beladenen amerikanischen LKW-Konvoi nur deshalb beschießen lässt, weil sich die Gelegenheit dazu bietet, ohne dass diese Aktion, die zahlreichen alliierten Soldaten das Leben kostet, militärisch gesehen Sinn hat.
Am 1. April 1945 gerät Günther mit seiner Einheit in den umkämpften „Ruhrkessel“. Die vollkommen ausweglose Lage führt aber nicht etwa zum Umdenken und entsprechenden Handeln, sondern auch in der zusammenbrechenden Wehrmacht wird militärischer Formalismus hochgehalten. Noch am 13. April 1945 wird Günther das „Eiserne Kreuz 1. Klasse“ verliehen, was ihn mit großem Stolz erfüllt.
Bereits drei Tage später erhält er dann jedoch die provisorischen Entlassungspapiere aus der Wehrmacht, ohne dass sein Fanatismus dadurch beeinträchtigt worden wäre. Vielmehr ist, wie sich seinem Tagebuch entnehmen lässt, das Gegenteil der Fall: „Mit Kommandeur, dem Chef, einem Fahnenjunker und einem Unteroffizier bin ich auf der Flucht aus dem Riesenkessel. Soll das das Ende Deutschlands sein? Ich kann es einfach nicht glauben. Noch immer hoffe ich auf das Wunder, auf die Wende. Um diesen Tag noch zu erleben und hieran mitzuhelfen, dafür werde ich mich nach Osten durchschlagen, dafür muss die Heimat zurückstehen. Es lebe Deutschland!“
Nachdem sich das kleine Grüppchen am 19. April in einem Waldstück an der Wupper-Talsperre versteckt hat, muss Günter am nächsten Morgen erkennen, dass sich seine Begleiter im Laufe der Nacht den Amerikanern gestellt haben. Günther denkt jedoch noch immer nicht an Kapitulation, legt seine Uniform ab und überquert die Wupperbrücke als „poor german boy“. Tatsächlich schafft er es mit diesem Täuschungsmanöver an dem amerikanischen Wachposten vorbeizukommen, um dann aber kurze Zeit später von der Militär-Polizei angehalten zu werden, die sich nicht täuschen lässt und Günther mit vorgehaltener Pistole gefangen nimmt.